Lyme-Borreliose: Zwischen Hysterie und ernsthafter Bedrohung
Deutsche Apotheker Zeitung online - Kurzmeldung: "Die Bedeutung der Lyme-Borreliose wurde anfangs nur zögerlich zur Kenntnis genommen. Inzwischen ist sie nach Meinung mancher Experten zur Modekrankheit mutiert, für die viel zweifelhafte und teure Hilfe angeboten wird, auch via Internet." Ein Rheumatologe macht sich auf dem 115. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) Luft.
Prof. Dr. Peter Herzer (niedergelassener Arzt für Innere Medizin und Rheumatologie): "Mit ihrer (der Lyme-Borreliose) Beschreibung konnte manches unklare Krankheitsbild definiert und geheilt werden”. Doch inzwischen sei die Krankheit geprägt von verhängnisvollen Irrwegen. So liefert die Lyme-Borreliose nach Herzers Ansicht Scheinbegründungen für alle möglichen Befindlichkeitsstörungen. Der verständliche Wunsch des Patienten nach Erklärung und Heilung werde von einer Vielzahl von „Lyme-Experten” in Borreliose-Zentren befriedigt. Auch das Internet biete eine ideale Bühne für pseudowissenschaftliche Elaborate.
Das Hauptübel bestehe in der zunehmenden eklatanten Über- und Fehldiagnostik. Ursachen hierfür sieht der Internist in „Unkenntnis oder Missachtung wissenschaftlich fundierter diagnostischer und differenzialdiagnostischer Kriterien”.
Die Diagnose ist in erster Linie klinisch zu begründen. Labortests weisen nur eine erfolgte Infektion nach, die aber - klinisch inapparent - auch weit zurückliegen kann. „Es gibt unzählige Seroborreliosen, weil Laborwerte nicht im Kontext mit den klinischen Befunden interpretiert werden”, kritisiert Herzer. Fehldiagnosen seien auch die häufigste Ursache von „Therapieversagern”, denn Antibiotika sind bei Lyme-Borreliose in aller Regel wirksam.
Die wiederholte Anwendung von Laboruntersuchungen mit oft wissenschaftlich nicht evaluierten oder gar mystischen „Lyme-Tests” sowie irrationaler therapeutischer Verfahren habe den Hautgout verantwortungsloser kommerzieller Aspekte angenommen. Durch den Missbrauch der Diagnose einer chronischen Borreliose litten immer mehr Patienten an dem, was Herzer eine „iatrogene Lyme-Borreliose-Angststörung” nennt.
Quelle: 115. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), Pressekonferenz 21. April 2009, Wiesbaden und Apotheker Zeitung online

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