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Geschichtliches

Buchwald beschrieb 1883 eine „diffuse, idiopathische Hautatrophie“ (1). Diese Veröffentlichung gilt aufgrund der Fallschilderung und der beigelegten Bilddokumentation als Erstbeschreibung einer chronischen Haut-Borreliose, die 1902 von Herxheimer und Hartmann als Acordermatitis chronica atrophicans (ACA) benannt und als Krankheit, die von einer frühen entzündlichen in eine später chronischen Phase übergeht, charakterisiert wurde (2).

In den folgenden Jahren folgte eine Vielzahl von weiteren Beschreibungen. Interessant ist u.a. die Arbeit von Ehrmann und Falkenstein die 1925 auf die Ähnlichkeit der ACA und Syphilis hinwiesen (3). Konkrete Hinweise auf die Ursachen der Krankheit bzw. ihre auslösenden Faktoren ergaben die Untersuchungen von Kahle (4) und Grüneberg (5). Sie vermuteten aufgrund ihrer Untersuchungen ebenso wie Lennhoff (6) Spirochäten als Krankheitsauslöser. Diese Vermutung wurde auch durch den von Svartz schon 1946 beobachteten therapeutischen Effekt von Penicillin bei der Acrodermatitis unterstützt (7).

Aufgrund der übereinstimmenden geographischen Ausbreitung von Zecken und der Acrodermatitis verdächtigte Hauser bereits 1955 die Zecken als Krankheitsüberträger (8). Auch Gelenkserkrankungen wurden in diesem Zusammenhang schon früh beschrieben (9, 10).

 

Die Entwicklung eines Erythema migrans (EM) nach einem Zeckenstich wurde erstmals 1909 von Afzelius auf einem Kongress beschrieben und 1910 publiziert (11). Der Begriff des Erythema chronicum migrans wurde 1913 von Lipschütz eingeführt (12).

Ein Zusammenhang zwischen der Wanderröte mit Zeckenstichen wurde von verschiedenen Autoren in der Folgezeit erkannt und eine infektiöse Pathogenese wurde daraufhin ebenfalls diskutiert (13, 14, 15).

 

Der von Biberstein 1923 eingeführte Begriff „Lymphozytom“ - für mit einem Lymphknoten vergleichbares Lymphgewebe mit Keimzentren - wurde von Burckhardt 1911 beschrieben (16, 17). Das Borrelien-Lymphozytom konnte ebenfalls mit Penicillin erfolgreich behandelt werden (18, 19).

 

Garin und Bujadoux stellten 1922 einen Zusammenhang von Neurologischen Erkrankungen (Lähmungen, später Neuroborreliose) und Zecken her (20), jedoch wurde von den Autoren der Zusammenhang zum EM nicht erkannt. Hierbei handelt es sich um die erste Beschreibung des sogenannten Garin-Bujadoux-Bannwarth-Syndroms (21). Bannwarth beschrieb 1941 das nach ihm benannte Syndrom mit „chronisch lymphozytärer Meningitis mit dem klinischen Bild der Neuralgie und Neuritis“ (22). Den Zusammenhang zwischen Zeckenstich, Wanderröte und Menigitis stellte er allerdings nicht her.

 

Die Lyme-Arthritis wurde erstmal Mitte der 1970er Jahre von Steere beschrieben (23). Hier wurden in mehreren Ortschaften im US-Bundesstaat Connecticut – darunter auch in Lyme und Old Lyme Häufungen von Gelenkentzündungen bei Kindern nach Zeckenstichen und Hauterythemen beschrieben und diese Arthritis nach der Ortschaft Lyme benannt. Die zu den in Europa beschriebenen Abhängigkeiten von Zeckenstich und daraus resultierenden Erkrankungen wurden zwar erkannt, der hier aufgetretene Symptomkomplex wurde aber als unabhängig davon angesehen und eigenständig als „Lyme Disease“ (Lyme-Krankheit) bezeichnet (24). 



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Aufgrund des fortschreitenden Erkenntnisgewinns schien also der Zusammenhang - "Zeckenstich - Bakterium (Spirochäten, Borrelien) - Wanderröte - typische Erkrankungen der Haut und des Nervensystems der heutigen Lyme-Borreliose, aber auch der Lyme-Arthritis" - hergestellt (vgl. 25), wenn da nicht das Dogma der Zeckenforschung „Borrelien kommen nicht in Schildzecken vor“ bestanden hätte.

 

Dies änderte sich erst, als 1982 von Burgdorfer Borrelien aus Ixodesarten (Schildzecken) isoliert werden konnten und als Erreger der Lyme-Krankheit identifiziert wurden (26, vgl. 27-30).

 

Der Krankheitserreger konnte mittels eines modifizierten Kulturmediums (31, 32) in der folgenden Zeit sowohl in Europa als auch in den USA aus unterschiedlichen Materialien von Patienten mit Verdacht auf Lyme-Krankheit angezüchtet und somit aus Direktmaterial nachgewiesen werden (33-38).

 

Aufgrund der sowohl in Europa als auch in den USA durchgeführten Untersuchungen wurde sehr schnell der Unterschied zum einen zwischen den die Krankheit auslösenden Erregern und zum anderen den Krankheitsbildern deutlich. In den 1990er Jahren wurden sowohl die diagnostischen als auch therapeutischen Strategien verbessert. Zahlreiche Arbeiten zum Verständnis der Pathogenese insbesondere der Rolle des Oberflächenpolymorphismus der Borrelien im Vektor=Zecke und Wirtsorganismus wurden veröffentlicht, die dann konsequent zur Aufspaltung in Borrelia burgdorferi sensu stricto, B. afzelii und B. garinii Stämmen führten (vgl. 39-43). Mindestens eine vierte Art B. spielmanii wird mit der Borreliose in Zusammenhang gebracht. Bisher konnten die Errerger dieser Spezies nur aus Patienten mit EM isoliert werden (44).

Diese Erkenntnisse wurden zur Entwicklung eines Impfstoffes auf der Basis des Oberflächenproteins OspA eingesetzt. Leider stellte sich heraus, dass die Wirksamkeit des Impfschutzes in Europa durch die Diversität der Borrelienstämme nicht ausreichend war.

Der 1999 in den USA in den Markt eingeführte und durch die Aufsichtsbehörde FDA zugelassene Borreliose-Impfstoff LYMErix von Smith Kline Beecham wird 2002 durch den Hersteller vom Markt genommen.

 

Literatur: 

1 Buchwald A (1883) Ein Fall von diffuser idiopathischer Haut-Atrophie. Arch Dermatol Syph 10:553-556

2 Herxheimer K und Hartmann K (1902) Über Acrodermatitis chronica atrophicans. Arch Dermatol Syph 61:255-300 

3 Ehrmann S und Falkenstein F (1925) Über Dermatitis atrophicans und ihre pseudo-sklero-dermatischen Formen. Arch Dermatol Syph 149:142-175 

4 Kahle R (1942) Pallida-Reaktionen bei peripheren Durchblutungsstörungen der Haut. Diss Halle 

5 Grüneberg T (1954) Auffällige serologische Befunde bei Acrodermatitis chronica atrophicans Herxheimer. Klin Wschr 32:935-936 

6 Lennhoff C (1948) Spirochaetes in aetiologically obscure diseases. Acta Derm Venereol (Helsinki) 28:295–324 

7 Svartz N (1946) Penicillinbehandlung vid dermatitis atrophicans Herxheimer. Nord Med 32: 2783 

8 Hauser W (1955) Zur Klinik, Aetiologie und Pathogenese der Acrodermatitis chronicum atrophicans. Hautarzt 6:77-80 

9 Jessner M und Loevenstein A (1924) Bericht über 66 Fälle von Acrodermatitis chronica atrophicans. Dermatol Wschr 79: 1167-1170 

10 Sveitzer S E und Laymon C W (1935) Acrodermatitis chronica atrophicans. Arch Dermatol (Chic) 31:196-212 

11 Afzelius A (1910) Verhandlungen der dermatologischen Gesellschaft zu Stockholm, 28 Oct 1909. Arch Dermatol Syph 101:404 

12 Lipschütz B (1913) Über eine seltene Erythemform (Erythema chronicum migrans). Arch Dermatol Syph 118:349-3569 

13 Hellerström S (1934) Beitrag zur Pathogenese des Erythema chronicum migrans Afzelii. Acta Derm Venereol (Stockh) 14:517 

14 Dalsgaard-Nielsen T und Kierkegaard A (1948) Allergic meningitis and chronic Erythema migrans Afzelii after a bite by Ixodes red. Acta Allerg 1:388-393 

15 Gelbjerg-Hansen G (1945) Erythema chronicum migrans after a tick bite. Acta Derm Venereol (Stockh) 25:458-463 

16 Biberstein H (1923) Lymphozytome. Zentralbl Hautkr 6:70-71 

17 Burckhardt JL (1911) Zur Frage der Follikel- und Keimzentrenbildung in der Haut. Frankf Z Pathol 6:352-359

18 Bianchi GE (1950) Die Penicillinbehandlung der Lymphocytome. Dermatologica 100:270-273 

19 Weber K et al. (1985) Das Lymphozytom – eine Borreliose? Z Hautkr 69:1585-1598

20 Garin C H und Bujadoux C H (1922) Paralysie par les tiques. J Med Lyon 71:765-767 

21 Hörstrup P und Ackermann R (1973) Durch Zecken übertragene Meningopolyneuritis (Garin-Bujadoux, Bannwarth). Fortschr Neurol Psychiatr 41:583-606 

22 Bannwarth A (1941) Chronische lymphocytäre Meningitis, entzündliche Polyneuritis und „Rheumatismus“. Arch Psychiatr Nervenkr 113:284-376 

23 Steere AC et al. (1977) Lyme arthritis. An epidemic of oligo articular arthritis in children and adults in three Connecticut communities. Arthritis Rheum 20:7-17 

24 Steere AC und Malawista SE (1979) Cases of Lyme disease in the United States: locations correlated with distribution of Ixodes dammini. Ann Int Med 91:730-733 

25 Weber K (1974) Erythema-chronicum-migrans-Meningitis – eine bakterielle Infektionskrankheit? Munch Med Wochenschr 116:1993-1998 

26 Burgdorfer W et al. (1982) Lyme disease – A tick-borne spirochetosis? Science 216:1317-1319 

27 Burgdorfer W et al. (1979) Ixodes ricinus: vector of a hitherto undescribed spotted fever group agent in Switzerland. Acta Trop 36:357-367 

28 Burgdorfer W et al. (1983) Erythema chronicum migrans-a tickborne spirochetosis. Acta Trop 40(1): 79-83 

29 Burgdorfer W (1984) Discovery of the Lyme disease spirochete and its relation to tick vectors. Yale J Biol and Med 57: 515-520 

30 Burgdorfer W et al. (1985) The western black-legged tick, Ixodes pacificus: a vector of Borrelia burgdorferi. Am J Trop Med Hyg 34(5):925-930 

31 Kelly R (1971) Cultivation of Borrelia hermsi. Science 173:443-444 

32 Barbour AG (1984) Isolation and cultivation of Lyme disease spirochetes. Yale J Biol Med 57:521-525 

33 Ackermann R (1983) Erythema chronicum migrans und durch Zecken übertragene Meningopolyneuritis (Garin-Bujadoux-Bannwarth): Borrelien Infektionen? Dtsch med Wochenschr 108:577-580

34 Benach JL et al. (1983) Spirochetes isolated from the blood of two patients with Lyme disease. N Engl J Med 308:740-742 

35 Steere AC et al. (1983) The spirochetal etiology of Lyme disease. N Engl J Med 308:733-740 

36 Asbrink E et al. (1984) The spirochetal etiology of erythema chronicum migrans Afzelius. Acta Derm Venereol 64:291-295 

37 Asbrink E et al. (1984) The spirochetal etiology of acrodermatitis chronica atrophicans Herxheimer. Acta Derm Venereol 64:506-512 

38 Pfister HW et al. (1984) The spirochetal etiology of lymphocytic meningo radiculitis of Bannwarth (Bannwarth's syndrome). J Neurol 231:141-144 

39 Stanek G et al. (1985) Differences between Lyme disease and European arthropod-borne Borrelia infections. Lancet 1(8425):401 

40 Wilske et al. (1985) Antigenic heterogeneity of European Borrelia burgdorferi strains isolated from patients and ticks. Lancet 1(8437):1099

41 Aguero-Rosenfeld ME et al. (2005) Diagnosis of Lyme Borreliosis. Clin Microbiol Rev 3(18):484-509

42 Wilske B (2005) Epidemiology and diagnosis of Lyme borreliosis. Annals of Medicine 37:568-579

43 Wilske B und Fingerle V (2007) Mikrobiologische Diagnostik der Lyme-Borreliose. J Lab Med 31(3):141-148

44 Fingerle V et al. (2007) Epidemiological aspects and molecular characterization of Borrelia burgdorferi s.l. from Southern Germany with special respect to the new species Borrelia spielmanii sp. nov. Int J Med Microbiol

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